Till Brönner und Sergei Nakariakov jammen gemeinsam

Diese Rezension schrieb ich 2015 anlässlich eines Konzertes des Festivals „Audi Sommerkonzerte“. Till Brönner gastierte zusammen mit vier großartigen Musikern im Festsaal in Ingolstadt.

Till Brönner und Sergei Nakariakov

Wer braucht schon eine Percussionisten, oder einen E-Gitarristen oder ein Kammerorchester, wenn er einen Cellisten dabei hat. Jazz-Trompeter Till Brönner war zu Gast in Ingolstadt und brachte bei seinem Programm „Ohne Grenzen“ nicht nur den klassischen Trompetenstar Sergei Nakariakov, Bassist Dieter Ilg und Pianist Gil Goldstein mit, sondern auch den sich im Hintergrund haltenden Cellisten Stephan Braun. Er entwickelte sich zum Star des Abends.

Ohne Grenzen

Die Programmankündigung versprach erst einmal zu wenig. „Arrangierte Werke von Johann Sebastian Bach, George Gershwin, Astor Piazolla und anderen“ – diese Beschreibung ließ zunächst den Verdacht aufkommen, hier würden Bearbeitungen von Barock und anderen Gattungen ein wenig jazzig aufbereitet gespielt und das wäre es gewesen. Weit gefehlt. Das Motto „Ohne Grenzen“ traf zu und die Werke waren nicht wieder zu erkennen. Das Konzert entwickelte sich zu einer großen, abwechslungsreichen und kurzweiligen Überraschung.

Heitor Villa-Lobos und Frederic Chopin

Die angekündigten Komponisten, zu denen sich auch noch der Brasilianer Heitor Villa-Lobos oder Frederic Chopin gesellten, waren nur noch ansatzweise erkennbar. Nur Johann Sebastian Bachs „Air on a G-String“ war am Ende des Konzerts von Sergei Jakariakov so  beseelt klassisch interpretiert und von Till Brönner mit solchen intensiven Blue notes durchsetzt, dass es einem die Tränen in die Augen trieb.

Kongenialer Arrangeur: Gil Goldstein

Der Rest der Werke wurden fast alle vom kongenialen Pianist, Akkordeonist, Komponist und Arrangeur Gil Goldstein bearbeitet. Jeder der fünf Instrumentalisten stand dabei mal im Vordergrund. Besonders spannend waren die zwei Pole klassische und jazzige Trompete. Wobei Till Brönner natürlich das negative Kokettieren auf seine Person nicht nötig hatte, als er auf sich zeigte und sagte: „Neid hat ein Gesicht“. Diese Aussage traf er, nach dem Sergei Nakariakov die „Variations on a Tyrolean Song“ von Jean –Baptiste Arban (1825-1889) mit einer Leichtigkeit interpretierte, als würde er „Alle meine Entchen“ auf der Blockflöte blasen. Dieses romantische Stück war ebenfalls wieder von Gil Goldstein arrangiert und bestach besonders durch die synkopierte Begleitung des Akkordeons.

Große Überraschung: Cellist Stephan Braun

Die größte Überraschung allerdings war der im Hintergrund agierende Cellist Stephan Braun. Hatte er kein Cellosolo, das sich auch wie ein E-Gitarren Solo von Jimi Hendrix anhören konnte, benutze er sein Cello als Cajon oder andere Trommeln. Davor noch ein kleines Becken aufgebaut – fertig war das Schlagzeugregister. Mit einer Loop-Maschine, die auch Till Brönner oft im Einsatz hatte, kreierte Stephan Braun seine eigenen Begleitungen und Halleffekte und gab dem ganzen noch mehr Würze.

Ein spannender Abend, der das Quintett dem Publikum bescherte und der durchzogen war, vom gegenseitigem Respekt, aber auch Vermischen des jazzigen und klassischen Genre.

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