Die Egerländer Tracht

Die Egerländer Tracht macht sie erst richtig fesch: Die Musiker um „Ernst Hutter und die Egerländer Musikanten“ und bei anderen Egerländer Ensembles. Schon Ernst Mosch sah immer schmucke in seiner Bühnenkleidung aus. Aber was tragen die da eigentlich ganz genau? 2015 machte ich mich über die einzelnen Bestandteile der Egerländer Männertracht schlau. Ich sprach damals mit Bundestrachtenwartin der Eghalanda Gmoin Elke Trübswetter aus Karlskron bei Ingolstadt, Helmut Hahn, Vüastäiha der Eghalanda Gmoi Geretsried und Edi Sagert, Leiter der damals noch existenten „Original Kapelle Egerland“. Der Text wurde 2015 in der „Mucke“ veröffentlicht.

Huasnoa(n)toutara schäi(n) gråuß

So kompliziert wie die Frauen haben es die Männer nicht. Es gibt nämlich acht Egerländer-Frauentrachten. Die Egerer Männertracht dagegen ist einfacher zu beschreiben. Seit den 1930er Jahren, nach einer Trachtenreform, gibt es ganz klare Richtlinien für sie. Mitte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war es nämlich recht still um die Egerländer Tracht geworden. Die überlieferte Kleidung war zwar noch weit verbreitet, doch im Alltag trugen die Menschen normale Arbeitskleidung und die Trachten wurden nur zu bestimmten Feiertagen aus den Truhen geholt. Daraus ist die Bezeichnung Truhenzeit entstanden.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Gmoin außerhalb des Egerlands von Exilegerländern gegründet und die Menschen erinnerten sich mit Liedern, Tänzen und Trachten an die Heimat. So wurde die Tradition bald auch wieder im Egerland selbst gepflegt. Allerdings waren alte Schnittmuster verloren, einzelne Tragweisen waren überholt und bestimmte Stoffe gab es nicht mehr. So kam es in den 1930ger Jahren zu einer Trachtenreform. „Um nun einen Wildwuchs bei den neuen Trachten zu vermeiden, der unweigerlich eingesetzt hätte, wurden unter Leitung des Historikers Josef Hanika der Karls-Universität Prag in Zusammenwirkung mit dem Bund der Deutschen Arbeitskreise für die Trachtenerneuerung der einzelnen Gebiete gegründet“, heißt es in der Egerländer Trachtenfibel.

Seit dieser Zeit gibt es also feste Regeln, wie die Egerländer Männertracht auszusehen hat und sie lässt sich systematisch beschreiben. Eine große Hilfe dabei waren Bundestrachtenwartin der Eghalanda Gmoin Elke Trübswetter aus Karlskron bei Ingolstadt, die sehr viele Trachtennählehrgänge gibt und Vorträge hält. Bei ihrer Mutter, ihre Vorgängerin im Amt, saß Ernst Mosch oft im Stuttgarter Wohnzimmer, da diese die Trachten für Moschs Sängerin Barbara Rosen nähte.  Außerdem sprach ich mit Helmut Hahn, Vüastäiha der Eghalanda Gmoi Geretsried und Edi Sagert, der zwar kein Egerländer ist, aber die „Original Kapelle Egerland“ leitete.

Die Schuhe der Egerländer Tracht

Es gibt zwei Varianten. Entweder die Männer tragen schwarze Stiefel, dazu gehört der Mantel, oder, so sieht man es heute bei allen Egerländerorchester, schwarze Halbschuhe mit silbernen Schnallen. Edi Sagert kann sich vorstellen, dass es in Stiefeln sehr unbequem ist, Musik zu machen. „In Stiefeln hat man noch nie gespielt. Ich vermute, die hohen Stiefel würden zu sehr in der Kniekehle drücken.“

Die Strümpfe der Egerländer Tracht

Sie sind für Edi Sagert das Highlight der Tracht. „Bei Auftritten kommen viele Frauen an die Bühne und fassen sie an und wollen wissen, was das genau ist.“ Die Strümpfe heißen Batzerlstrümpfe. Der Name rührt von den kleinen Wollkügelchen, dem Noppenmuster auf der oberen Hälfte. Sie bestehen aus acht Reihen und sind von links gestrickt. „Für ein Paar braucht man 80 Stunden Strickzeit“, erzählt Elke Trübswetter. „Wenn eine Masche runter fällt, muss man neu anfangen.“ Sie müssen dem Träger genau passen, sonst habe man das Muster in den Waden. Das bestätigt Edi Sagert: „Wenn die zu eng sind, schnürt es einem das Blut ab.“

Die Hose

D`Huasn – wie sie im Dialekt heißt – ist immer schwarz. Sie kann aus Leder sein oder, wie bei den meisten Musikern, aus Stoff. Am Schritt hat sie einen Latz und am Hosenbund drei Knopflöcher zum Befestigen der Hose am Gschirr. Das wichtigste Merkmal der Huasn ist der Überfall am Knie. „Das Tragen einer langen schwarzen Hose ist nur Kriegsversehrten oder behinderten Trachtenträgern gestattet“, schreibt die Trachtenfibel vor. Wer möchte, kann ein rotes Taschentuch mit weißen Tupfen und Streifen in der linken Hosentasche tragen, das ein wenig hervor steht. Das sei aber keine Pflicht.

Das Hemd

„Traditionell hat das weiße Hemd immer einen Stehkragen. Auf keinen Fall einen Spitzkragen“, sagt Elke Trübswetter. Das habe Ernst Mosch immer falsch gemacht – und auch heute tragen die Musiker noch einen Spitzkragen mit einer Krawatte – was auch nicht den Regeln entspräche. Die schreiben nämlich ein über den Kragen gebundenes Dreiecktuch vor – das Halstöichl. „Früher hat man dieses Tuch auch unter den Kragen, aber das wurde zu warm.“ Auch ein weiteres Merkmal des „Hemmads“, auf das die meisten Musiker verzichten: Die blau-gelben Stickereien an Kragen, Schulter und Ärmel. „Das können Hexenstiche oder Fischgrätstiche sein. Aber sie müssen immer in den Farben blau und gelb sein“, sagt Elke Trübswetter.

Die Jacke

Hier gibt es auch zwei Varianten. Den Mantel, der immer einen Reverskragen hat, trägt „Mann“ zu den Stiefeln. Die Besonderheit des Mantels: Darunter trägt man eine Samtweste mit Silberknöpfen, die entweder grün, honigfarben oder dunkelblau ist. Die Musiker haben immer die Jacke mit Stehkragen an – den Goller. Er hat unter dem Stehkragen einen Umschlag.  Die Jacke hat keine Knopflöcher und wird somit wird nie geschlossen. Die mit schwarzen Seidenstoff überzogenen zwölf Zierknöpfe befinden sich auf Umschlag und Jacke. „Die Jacke ist immer dunkel- oder rostbraun“, erklärt Elke Trübswetter.

Die Kopfbedeckung der Egerländer Tracht

Auffällig an der Egerländer Männertracht ist das Vetternkappl. Die grün-samtene, mit goldener Paspel und Trottel verzierte Mütze tragen verheiratete Männer im Raum. Der Vetter ist der verheiratete Mann – daher der Name der Mütze. Allerdings sieht man Musiker selten damit. Eher mit einem Flodara – einem schwarzen Filzhut mit einer Tuchumkleidung, die Holzstoß heißt. Bei verheirateten Männern ist ein schwarzes Band, bei unverheirateten Männern ein rotes Band umgebunden.

Hosenträger

Sie und ihre Befestigung sind der ganze Stolz eines trachtentragenden Mannes. Spezialist für das Gschirr – wie die Hosenträger heißen – ist Helmut Hahn. Der 52-Jährige lernte die Gschirrherstellung von seinem Großvater, einem Schuhmachermeister. Der nähte für Egerländer deutschlandweit Hosenträger – auch für Ernst Mosch. „Als kleiner Bub durfte ich dem Opa schon helfen.“ Seine erste Arbeit bestand darin, den rot hinterlegten Filz mit einer Zackenschere zuzuschneiden. Die Kunst dabei sei gewesen, beim erneuten Ansetzen die Zackenreihe richtig fortzuführen. „50 Pfennig gab es für die Arbeit“, erinnert sich Helmut Hahn. Als der Großvater 1986 starb, führte Helmut Hahn dessen Werk mit der geerbten Tretnähmaschine fort. Der Holbauingenieur zeigt sein Können zum Beispiel auf den Sudetendeutschentagen an Handwerkerständen. Im Schnitt näht Helmut Hahn 15 bis 20 Gschirre pro Jahr – unter anderem auch für die Original Egerländer Musikanten.

Die rindsledernen Hosenträger bestehen aus zwei parallelen Tragriemen, die vorne einen Dreikantlatz schmücken und am Rücken durch einen Steg verbunden sind. Manchmal sind die Hosenträger mit Verzierungen durch einen Punzierstempel geprägt. Die Hosenträger müssen genau passen, sonst wird es unbequem, denn sie dürfen nicht zu groß oder zu klein sein. „Ich hatte meine mal vergessen und musste sie von einem anderen Musiker ausleihen. Das war unbequem“, erinnert sich Edi Sagert.

Hosenträger
Egerländer Hosenträger. Foto: Christine Engel

Huasnoa(n)toutara

Die Hosenantuer – mit ihnen wird das Gschirr an der Hose befestigt. Die drei achteckigen, mit Ornamenten verzierten Knöpfe kauft sich ein erwachsener Mann einmal im Leben. Ein großer Knopf befindet sich auf der Mitte des Latzes, zwei kleine an den Trägern. Sie sind aus feuervergoldet aus Messing oder aus Blech. Elke Trübswetters Sohn hatte solche Knöpfe schon mit drei Jahren. „Die bekommt demnächst unser einjähriger Enkel“, berichtet sie stolz.

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