Blasmusik EM Bamberg 2017

Die Blasmusik EM 2017 fand in Bamberg statt. Damals war ich für die „Mucke“ dort und berichtete. Auf vontutenundblasen stelle ich meinen damaligen Beitrag im Vorfeld zur Blasmusik EM 2022 in Lüchtringen als Rückschau zur Verfügung. Dieser Link lässt euch direkt zu den Ergebnissen springen, und dieser Link beherbergt ein Kommentar zur Blasmusik EM, der damals nicht abgedruckt war.

Blasmusik EM in Bamberg 2017 – eine Rückschau

Die Freude und der Jubel waren riesengroß: „Mission Böhmisch“, eine neue Truppe aus der Oberpfalz ist Höchststufen-Europameister der böhmischen und mährischen Blasmusik und erreichte 95,83 Punkte – knapp einen Punkt mehr als die Vize-Europameister „Die BöhMärischen“ aus Österreich (95 Punkte). Insgesamt 24 Kapellen aus sechs Nationen nahmen an der 18. Europameisterschaft der böhmischen und mährischen Blasmusik in Bamberg teil. Ausrichter des Festivals waren die Don Bosco Musikanten Bamberg, die im Zuge dessen auch ihre neue CD „Genießt das Leben“ vorstellten. Dieses Motto nahmen sich an diesem Wochenende in Bamberg alle zu Herzen: Wettbewerbsteilnehmer, Fans und die Veranstalter.

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Die Sieger und Teilnehmer der 18. Europameisterschaft der böhmischen und mährischen Blasmusik in Bamberg im Jahr 2017. Foto: Christine Engel

Blasmusik in der Philharmonie

Proppenvoll, aber mucksmäuschenstill und die Luft zum Zerreißen gespannt – eigentlich eine ungewöhnliche Kombination, wenn böhmische und mährische Blasmusik erklingt. Aber genauso lässt sich die Atmosphäre im Hegel-Saal der Bamberger Konzert- und Kongresshalle beschreiben, als die Wettbewerbsvorträge zur 18. Europameisterschaft der böhmischen und mährischen Blasmusik am dritten Juni-Wochenende dort stattfanden. Über 600 Zuhörer haben in diesem Raum Platz. Bei jedem der 24 Vorträge war der Saal durchschnittlich zu 90 Prozent gefüllt.

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Die Gewinner der Europameister der böhmischen und mährischen Blasmusik 2017: Mission Böhmisch. Foto: Engel

Gleichgesinnte treffen auf der Blasmusik EM 2017

Eine große Wertschätzung für die traditionelle Blasmusik, auch deshalb, weil nicht nur Mitglieder der anderen teilnehmenden Kapellen die Besucherschar bildete, sondern zum größten Teil extra angereistes Publikum. Heinrich Böhl und Helmut Schlapbach aus Bad Berleburg in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel waren extra wegen der Europameisterschaft nach Bamberg gekommen. „Wir sind einfach Blasmusikfans und das ist die fünfte oder sechste Europameisterschaft, die wir besuchen. Das Schöne ist, wenn man öfter auf solche Veranstaltungen fährt, dass man immer wieder gleichgesinnte Leute trifft.“

Die Jury der Blasmusik EM 2017

Auch die Jury bestand aus alten Bekannten. Neben Juryvorsitzenden Gottfried Reisegger aus Österreich bewerteten Antonin Konicek aus Tschechien und Franz Watz aus Deutschland die Orchester. Ein älteres Ehepaar war bis aus den Niederlanden ausschließlich wegen der Europameisterschaft in Bamberg. Selber spielen sie kein Instrument, aber: „Wir sind schon vor vielen Jahrzehnten durch unsere Eltern Fans der böhmisch-mährischen Blasmusik geworden und haben mit ihnen sogar  noch zwei Mal Ernst Mosch live gesehen. Jetzt reisen wir noch viel öfter zu böhmisch-mährischen Festivals, denn die Kapellen spielen so wunderbar und deshalb haben wir seit Freitag komplett alle Vorträge verfolgt.“

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Die Jury. Foto: Christine Engel

CD Präsentation auf der Blasmusik EM

Mit Freitag meinten die beiden wohl einen anderen Programmpunkt, denn die Wettbewerbe fanden  Samstag und Sonntag den kompletten Tag statt. Am Freitag Abend besuchten die Gäste das Eröffnungskonzert im fußläufig entfernten, nah an der Innenstadt gelegenen Festzelt. Das Konzert gestalteten die Gastgeber, die „Don Bosco Musikanten Bamberg“, zusammen mit ihrer befreundeten Kapelle „maablosn“, wo sie gleichzeitig ihre neue CD präsentierten.

Besuch aus Thüringen in Bamberg bei der Blasmusik EM in Bamberg

Ein Ehepaar aus Thüringen hatte das Konzert besucht und war den kompletten Samstag und Sonntag damit beschäftigt, den Wettbewerbsvorträgen zu lauschen: „Wir verbinden die Europameisterschaft mit einem Kururlaub. Samstag und Sonntag sind wir nur im Hegel-Saal, da ist es uns im Zelt zu laut und zu wild. Im Saal kann man die Musik besser genießen. Wir verfolgen die Szene seit zwölf Jahren und zu DDR Zeiten gab es bei uns auch Blaskapellen, aber die waren lang nicht so gut, wie die heute.“

Thomas Wolf ist überwältigt

Der Dirigent der Don Bosco Musikanten, EM-Gesamtmoderator und Mitorganisator der Wertungsspiele, Thomas Wolf, zeigte sich vollends zufrieden über den Ablauf der Wettbewerbe: „Wir sind überwältigt, dass so viele Leute bei den Wertungsspielen da waren. Das macht einfach Spaß, wenn 500 Zuschauer da sind, während Wettbewerbe gespielt werden. Das ist einfach großartig. Es war während der Vorträge immer sehr diszipliniert, sehr leise, aber dann folgte immer ein großer Applaus.“

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Eine weitere teilnehmende Kapelle. Foto: Christine Engel

Akkordeonist zu Besuch

Großen Applaus spendete auch ein Akkordeonspieler aus der Oberpfalz: „Meine Bekannten reisen schon seit vielen Jahren böhmisch-mährischen Veranstaltungen hinterher. Sie schwärmen immer so sehr, dass meine Frau und ich dieses Mal mitgefahren sind. Meine Meinung: Wenn es früher so gute Blaskapellen wie hier gegeben hätte, hätte ich lieber ein Blasinstrument gelernt. Aber zu meiner Zeit war das noch nicht so.“

1,5 Jahre Vorbereitung für die Blasmusik EM in Bamberg

Anderthalb Jahre dauerten die Vorbereitungen auf das Wochenende. Die Idee, die Europameisterschaft nach Bamberg zu holen, kam daher, da die Don Bosco Musikanten seit 2006 schon oft selbst an den Wettbewerben teilgenommen hatten und dreimal selbst Europameister wurden. „Wir dachten uns, Bamberg bietet diesem Fest den richtigen Rahmen und ist dafür die richtige Stadt. Wir waren überzeugt, dass wir das stemmen  und eine schöne Bühne und eine schöne Meisterschaft bieten können“, sagte Thomas Wolf.

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Junggesellinnenabschied oder Vereinsausflug?

Die Meinungen der Besucher, die Stimmung im Zelt, die Musik bei den Wettbewerben und auf der Freiluftbühne am Maxplatz sowie der Festzug vom Domplatz zum Zelt sollen ihm Recht geben. Das Bierzelt war zu jeder Zeit voll – unter tags herrschte bei den stündlich wechselnden Konzerten der Wettbewerbsteilnehmer eine gemütliche, harmonische und friedlich-familiäre Stimmung. Gegen Abend wurde die Atmosphäre extatischer mit vollem Programm: Tanzen vor der Bühne, Stehen auf den Bierbänken und lautes Mitsingen und Mitklatschen. Ein vermeintlicher Junggesellinnenabschied – so heiß war die Stimmung bei den Mädels – entpuppte sich sogar als ein kompletter Musikvereinsausflug zu den Europameisterschaften.

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Siegerehrung. Foto: Christine Engel

Inspirationen für die nächste Blasmusik EM

Aber nicht nur Party gab es im Zelt – auch Instrumente und Zubehör von verschiedenen Anbietern konnten ausprobiert werden. Wieder andere Besucher nutzten die Zeltkonzerte neben den Wettbewerben für Anregungen: „Wir spielen und dirigieren einen Musikverein in der Schweiz“, erzählten zwei Männer aus dem Nachbarland. „Wir wollen mit unserem Orchester nächstes Jahr bei der Europameisterschaft mitmachen und sind gekommen, um uns Inspirationen von den anderen Orchestern zu holen.“

Friedlich feieren auf der Blasmusik EM 2017 in Bamberg

Thomas Wolf und das gesamte Team der Don Bosco Musikaten zogen am Ende der Meisterschaften ein durchweg begeistertes Fazit: „Wir sind überwältigt, wir können es noch gar nicht richtig fassen, was passiert ist. Die Feedbacks, die wir bekommen haben, waren alle positiv, die Jury war begeistert, viele Menschen haben uns gesagt, so gehöre ein Fest organisiert. Wir hatten das Glück, dass wir den großen tollen Konzertsaal direkt in der Nähe zum Festzelt haben, so dass die Leute kein Auto brauchten. So konnte auch ausgelassen gefeiert werden. Die Stimmung unter den Musikern war großartig, Es hat sich wieder einmal gezeigt: Wenn Musiker zusammen feiern, kann man sich die Security sparen. So ausgelassen und trotzdem so schön friedlich.“

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Die Ergebnisse der EM 2017

Höchststufe:

1. Mission Böhmisch (Deutschland, 95,83 Punkte, Europameister)

2. Die BöhMährischen (Österreich, 95,00, Vize-Europameister)

3. Die fidelen Münchhäuser (Deutschland, 90,27)

Oberstufe:

1. Leannka (Deutschland, 94,27, Europameister)

2. Blech & Co (Deutschland, 93,37, Vize-Europameister)

3. Original Fenntaler Musikanten (Niederlande, 92,13)

4. Original Härtsfelder Musikanten (Deutschland, 91,93)

5. Eiserbach Muzikanten (Niederlande, 89,57)

6. Die Stokkemer Stadsmuzikanten (Belgien, 88,83)

7. Blaskapelle Fresia (Niederlande, 87,03)

8. WauxlBöhmische (Österreich, 85,63)

9. SBO Schoen Boehmisch (Deutschland, 85,20)

10. d‘Bloos Band (Frankreich, 85,17)

11. Dicke Backe Attacke (Deutschland, 82,17)

Mittelstufe:

1. Trachtenkapelle Elfers (Deutschland, 90,83, Europameister)

2. Die fröhlichen Dorfmusikanten (Deutschland, 86,97)

3. Venovanka (Tschechien, 86,40)

4. Musikverein Dorfmerkingen (Deutschland, 86,00)

5. Kasendorfer Musikanten (Deutschland 84,47)

6. Polka Rebellen (Deutschland, 81,60)

7. Waldzeller Musikanten (Deutschland, 78,90)

Unterstufe

1. Laafer Blosmusik (Deutschland, 88,10,Europameister)

2. Original Kappler Ratz-Fatz Buben (Deutschland, 86,07)

3. Buckenhofener Blasmusik (Deutschland, 85,03)

Kommentar zur Blasmusik EM

„Was bringen denn musikalische Wettbewerbe? Musik ist doch kein Wettstreit. Und dann noch bei Polka und Marsch?“. Das fragten mich kurz vor meiner Reise nach Bamberg mehrere Streichorchesterkollegen kopfschüttelnd. Nach Bamberg kann ich nun schärfer argumentieren. 

Die Europameisterschaft für böhmisch und mährische Blasmusik ist extrem wichtig für diese Musikrichtung. Denn, es geht  nicht darum, dass ein Team, wie bei einer Fußball-EM, das andere Team ausschaltet. Sondern viel mehr ist hier der Weg das Ziel. Die Vorbereitungen zum Vortrag. Jedes Orchester feilt an der Musik, analysiert sie und will der Sache „böhmisch-mährisch“ noch gerechter werden.

Durch solche Wettbewerbe steigt die Motivation, an der Musik zu arbeiten. Der Wettbewerb ist also kein Kampf, den man um jeden Preis gewinnen muss, sondern ein Prozess zur Weiterentwicklung dieser Musik. Möchte man Menschen von böhmisch-mährischer Musik überzeugen, die bislang auf sie herab blicken, müsste man sie auf solche Wettbewerbe mitnehmen.

Zweiter positiver Effekt für viele Fans: Die Veranstaltung bietet die Möglichkeit, außerhalb vom Bierzelt viele sehr gute Orchester konzertant in einem richtigen Konzertsaal mit guter Akustik und wenig bis gar keinen Nebengeräuschen zu erleben, so dass man als Zuhörer sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren kann. So, als würde man einer großen Sinfonie lauschen.

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Nicht nur beobachten und schreiben – auch Instrumente ausprobieren :). Foto: Christine Engel

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