Bayerischer Defiliermarsch: Heimliche Hymne Bayerns

Dem Internet darf man nicht alles glauben. Diese Erkenntnis zeigt sich, wenn man etwas mehr über den Schöpfer des Marsches herausfinden möchte, der im Repertoire kaum eines Blasorchesters fehlt: Der Bayerische Defiliermarsch. Komponiert wurde dieser von Adolf Scherzer – oder besser: Jacob Philip Adolf Scherzer. Er starb am 21. März 1864. Das steht zumindest auf seinem Grabstein auf dem Ingolstädter Westfriedhof. Das Internet propagiert auf vielen Seiten den 23. Januar 1864. Da hat sich wohl der Zahlenteufel versteckt. Die genauen Worte auf dem kleinen Grabstein lauten: „Hier ruht in Gott Herr Adolf Scherzer Musikmeister im Königl.Bay.7. U.10 Inf.Regiment. +21.3.1864 in Ingolstadt. Der Schöpfer des Bayerischen Defiliermarsches.“

grab von adolf scherzer - Komponist von "bayerischer defiliermarsch"
Adolf Scherzers Grab auf dem Westfriedhof in Ingolstadt. Foto: Christine Engel

Adolf Scherzer starb nicht nur dort, sondern komponierte in Ingolstadt um 1850 seinen größten Hit. Ursprünglich hieß der Marsch angeblich Ingolstädter Parademarsch, weil er einem Ingolstädter Regiment gewidmet war. Große Popularität erfuhr der Bayerische Defiliermarsch im Deutsch-Deutschen Krieg 1866 als Bayern gegen die Preußen kämpfte und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871. Angeblich hatte König Ludwig II den Marsch zum Bayerischen Avancier- und Defiliermarsch ernannt.

grabplatte von adolf scherzers grab - er komponierte "bayerischer defiliermarsch"
Der Grabstein in Nahansicht. Foto: Christine Engel

Bayerischer Defiliermarsch: Bis heute ein beliebter Marsch

Adolf Scherzer selbst war eigentlich Franke. Er stammte aus einer weitverzweigten Musikerfamilie. Am 4. November 1815 wurde er in Neustadt an der Aisch geboren. Sein Vater war Stadtkapellmeister, von dem er seine Ausbildung in vielen Instrumenten erhielt. Mit 18 Jahren trat er freiwillig beim Kgl. Bayer. 7. Infanterie-Regiment „Hohenhausen“ in Ingolstadt ein und wurde nach dem überraschenden Weggang des Vorgängers 1848 Musikmeister des Regiments. Von seinen zahlreichen Kompositionen ist der „Bayerische Defiliermarsch“ bis heute die beliebteste und der in Bayern bekannteste Marsch. Und auch Avantgardisten wie Paul Hindemith ließen sich von der heimlichen Hymne Bayerns inspirieren: In seiner Kammermusik Nr. 5 op.36/4 für Bratsche und Kammermusik betitelte Hindemith den vierten Satz mit „Variante eines Militärmarsches“ und zitiert dort den Bayerischer Defiliermarsch.

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