Kapelle So&So: Band, Notenverlag, Label

Mit Stefan Huber, Leiter der Kapelle So&So und Tubist bei LaBrassBanda, vergeht die Zeit schnell. Das merkte ich bereits Ende 2019 als ich mich für ein Porträt für das Magazin „Brawoo“ mit ihm traf. Dieses Porträt stelle ich hier auf meinem Blog für euch zur Verfügung mit einigen Erweiterungen aus dem Gespräch im Sommer 2021. Zwischenzeitlich ist auf der Welt viel passiert. Aber Stefan und seine Musikantenkollegen von der Kapelle So&So haben den Kopf deswegen nicht in den Sand gesteckt, sondern die Zeit genutzt und ihr Projekt „So&So“ auf ein breites Fundament gestellt. In der Corona-Zeit haben die sechs Musiker ein Label und einen Verlag mit vielen eigenen Kompositionen aufgebaut, die nicht nur für Tanzlmusi geeignet, sondern mittlerweile für Blasorchester arrangiert sind. An einem schönen Biergartennachmittag im Sommer 2021 erzählte mir Stefan die ganze Geschichte der Kapelle, des Labels und des Notenverlag So&So.

Kapelle So&So: Eine Band, viele Standbeine, viel Zukunft

Die Kapelle So&So – das sind: Stefan Huber, Sebastian Höglauer, Manuel Haitzmann, Korbinian Weber, Michael Graf und Hansi Auer. Alle sechs Musiker kennen sich seit langem. Mit Sebastian Höglauer war Stefan in der Blaskapelle, mit Manuel Haitzmann in der Schule und mit Hansi Auer bewohnte Stefan bis vor Kurzem eine WG. 2017 suchte eine Münchner Brauerei Musiker für zwei Stunden Musik. „Wasti, da fahren wir hin, da brauchen wir keine Noten. Das bekommen wir mit Evergreens der Blasmusik hin“, sagte Stefan damals zu Sebastian Höglauer. Die beiden packten ihre Kumpels ein und fuhren in die bayerische Landeshauptstadt.

Geburt der Kapelle So&So: Schicksalsfügung

Aus zwei wurden sieben Stunden. Von „Sir Duke“ bis zum „Kufstein Lied“ packten die Musiker alles aus, was sie im Gedächtnis hatten. „Das hätte auch gewaltig in die Hose gehen können“, erinnert sich Stefan. „Aber jeder war beseelt nach diesem Auftritt. Es war klar, dass das eine besondere Besetzung ist und dass wir in dieser Konstellation weiter machen müssen.“

Kapelle So&So
Die Kapelle So&So. Foto: Kapelle So&So

Kapelle So&So: Sechs Freunde müsst ihr sein

Die Tanzlmusibesetzung „So&So“ besteht aus: Tuba (Huber), Basstrompete (Haitzmann), zwei Flügelhörner (Höglauer, Weber), Gitarre (Graf), Ziach (Auer). Stefan Huber, Sebastian Höglauer, Manuel Haitzmann und Korbinian Weber haben Musik studiert, Hansi Auer ist Instrumentenbauer und Musiklehrer und Michi Graf – der „Bandpapa“ wie ihn Stefan Huber nennt – begann mit der Musik in der Kneipe seines Vaters und war schon immer auf der Bühne. „Die Konstellation ist geil. Jeder gibt alles, jeder macht sein bestes und opfert seine Zeit. Es ist ein Traum: Sechs Leute, zwei Standbeine, die Möglichkeiten sind unendlich groß,“ sagt Stefan.  „Wir verstehen uns menschlich gut, das ist das wichtigste. Jeder kann musikalisch besser werden, aber die wenigsten werden netter.“

Bei einem Auftritt der Sendung „Wirtshausmusikanten beim Hirzinger“ im Bayerischen Rundfunk.

Outsourcing Konzertorganisation

Zunächst war die Kapelle So&So ein Projekt. „Auf Grund der anderen Bands, in denen wir mitspielen.“ 2020 unterschrieb die Band kurz vor der Pandemie den Vertrag mit der Agentur Südpol und mehrere Konzerte standen im Terminkalender. „Mit einer Agentur ist das stressfreier und professioneller. Wir geben ihnen die Termine, an denen wir Zeit haben, und sie schauen, wo sie uns unterbringen“, zählt Huber die Vorteile einer Agenturkooperation auf. „Am Anfang haben wir die Organisation und den Kartenvorverkauf komplett selbst gemacht. Aber das ist ein Full-Time-Job, da kann man wirklich nichts mehr anderes machen.“

Kapelle So&So
Die Kapelle So&So bei einem Auftritt. Foto: Irmi Sinnesbichler

So&So und Corona: Wenn nicht jetzt, dann nie

Dann kam die Pandemie. Die Kultur fiel ins Bodenlose, viele Künstler bangten um ihre Existenz und waren zum Teil zum Nichtstun verdammt. „Stillstand ist das Schlimmste für mich. Da werde ich unausstehlich, wenn ich keine Daseinsberechtigung mehr habe“, urteilt Stefan Huber über sich. „Wenn man nichts zu tun hat, regt man sich nur die ganze Zeit über Sachen auf, die man sowieso nicht ändern kann.“ So spuckten Stefan und „So&So“ in die Hände und packten die Dinge an, für die sie sonst keine Zeit gehabt hätten. „Wir sagten uns: Wenn nicht jetzt, dann nie.“

Labelgründung mit Bob Marley: So&So Records

Reggae und Tanzlmusi – eine Kombination, die sich sehr gut mischt. Die So&So-Jungs nahmen sich das Bob Marley Album „Legend“ vor, coverten es unter dem Namen „BOB“ und veröffentlichten es bei Spotify als Label „So&So Records“. Der Bayerische Rundfunk nahm eines der Stücke als Hintergrundmusik für eine Dokumentation und aus diesem Grund meldete Stefan Huber die Werke bei der Verwertungsgesellschaft GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten). Dazu musste Stefan Huber das Label anmelden. Der Name „So&So Records“ war ja schon gefunden. „Ich bin sehr dankbar für YouTube Tutorials“, sagt Stefan Huber lachend. „Denn da habe ich viel über die geschäftlichen Dinge gelernt.“ 

Karaoke Album der Kapelle So&So

Im nächsten Schritt bildeten die Musiker aus „BOB“ Playalong-Versionen. Sie nahmen nur die Hintergrundmusik, ließen die Melodie weg und suchten sich Musiker und Musikerinnen, die mit ihren Instrumenten die Melodie für ihre Instagram Promotion spielten.

Der So&So Notenverlag

Nun ist dieses Playbackalbum und die jeweils dazu gehörige Melodiestimme im So&So Shop downloadbar. Den Webshop haben sie im April 2020 konzipiert. „Wir wurden bei Konzerten öfter gefragt, ob man unsere Stücke kaufen kann. Das ist aber mit großem Aufwand verbunden und die Musik, die ich schreibe, war meist nicht vollständig arrangiert.“ Aber wie schon erwähnt: Ab Frühjahr 2020 war dafür Zeit.

Erfolgreicher Start in Stefans Keller

Die Jungs arrangierten, stellten die Werke in ihren Shop und die Geschichte fing direkt an, gut zu laufen. „Das Lager war bei mir Keller und irgendwann war es Chaos. Da waren plötzlich 50 Stücke und von jedem zehn Ausgaben und ich bin nicht mehr an die Sachen gekommen“, erinnert sich Stefan. Im Dezember 2020 sagte sich die Band: Wir gründen eine GmbH und suchen uns einen Geschäftsraum.

Der Tempel des Notenverlags So&So: Eine alte Zimmerei

Flugs war eine alte Zimmerei angemietet, ein neuer Fußboden gelegt und das Büro eingerichtet. „Da treffen wir uns nun jeden Mittwoch, machen Pläne für Aufnahmen, Social Media oder Arrangements. Das ist fruchtbarer als Videokonferenz, da kommen super Ideen raus.“ Während der Woche geht jeder an seine Arbeit und jeder nutzt dafür seine Stärken. Sebastian Höglauer arrangiert, Manuel Haitzmann ist der Grafiker und Korbinian Weber kümmert sich um Social Media. Stefan Huber hält alles zusammen und sorgt für die geschäftlichen Dinge. Das Drucken der Noten und den Versand, darum kümmert sich jeder.  „Keiner muss machen, was ihm nicht gefällt.“ Aufgabenteilung sei eine schöne Erfahrung, sagt Huber. „Ich habe gemerkt, ich kann loslassen und das gibt mir Freiräume.“

So sah der Raum des So&So Notenverlags ursrpünglich aus. Mit Waschmaschine :). Aber wenn alle anpacken, ensteht…..Foto: Stefan Huber

So&So Notenverlag: Von Tanzlmusi zu Blasmusikausgaben

Ziemlich bald bemerkten die Musiker, dass sie mit ihren Produkten – also mit den Ausgaben ihrer Tanzlmusistücke – einen Nischenmarkt besetzen. Die Ausgaben kauften nur Gruppen, die zufällig in der gleichen Besetzung spielen. „Wenn zwei Leute mit der Klarinette mitspielen wollen, geht das schon nicht mehr.“ Die So&So Männer merkten: Da wird der Markt bald gesättigt sein. Die Band zeigte sich abermals flexibel. Die Stücke von der Kapelle So&So und weitere Werke, die die Musiker schon komponiert hatten, wurden für Blasorchester arrangiert und mit ins Portfolio des Verlags genommen. Im Moment sind das 17 Werke – Märsche, Polkas, Walzer und auch Balladen wie „Vicky“ und „Honigmond“. Chilischoten verraten den Schwierigkeitsgrad der Werke.

Notenverlag So&So
….das hier. Die Zentrale der Kapelle So&So und des So&So Notenverlags. Nur die Waschmaschine fehlt. Foto: Stefan Huber

Komplette Werke hörbar

Das Besondere im So&So Notenshop: Unter der angebotenen Notenausgabe sind YouTube-Videos integriert, mit denen Interessierte die Blasmusikwerke komplett anhören können und nicht nur 30 Sekunden. Jeder So&So- Musiker spielte dafür mehrere Instrumente ein. Bis auf Klarinette. „Das können wir selbst nicht, da haben wir jemanden dazu geholt“, erzählt Stefan Huber, der dafür nicht nur die Tubastimmen, sondern unter anderem Tenorhorn und Bariton beigesteuert hat. „Wir denken, dass Dirigenten die Werke besser bewerten können, wenn sie sie komplett anhören können.“

Ein Beispiel für ein komplett hörbares Werk, das die Kapelle selbst aufgenommen hat.

Zusammenarbeit mit anderen Komponisten

Nicht nur Werke von Sebastian Höglauer oder Stefan Huber bietet der So&So Notenverlag. Externe Tonkünstler können ihre Kompositionen ebenso bei So&So verlegen. Sie bekommen pro verkaufter Ausgabe 30 Prozent des Umsatzes und die Urheberrechte bleiben beim Komponisten – und wenn er oder sie mal keine Lust mehr auf einen Vertrieb bei So&So hat, wird einfach gekündigt.  

Ein Beispiel für einen externen Komponisten.

Die Preise beim So&So Notenverlag

Die Preise für Stücke liegen zwischen 17,49 Euro (Tanzlmusistück) und 49,99 Euro (Blasmusikstück). Die Werke für 7er Besetzung kosten 22,50 Euro. „Preispolitik von Noten finde ich eigenartig“, wundert sich Stefan Huber, dem Kapitalismus und Bereicherung fern ist, aber gleichzeitig von etwas leben muss und so zeigt, dass eine bescheidene, nachhaltige Lebenseinstellung und die Führung eines kleinen Unternehmens kein Widerspruch sein muss. „Zum Teil völlig unter Wert, gerade wenn man zehn Stücke für 38 Euro bekommt – das ist eine Tasse Kaffee pro Stück. Gemessen an der Wertigkeit sollte es ein gescheites Abendessen sein. Andererseits kommen mir 250 Euro für ein mittelgutes Blasmusikstück viel vor.“

Nachhaltigkeit beim So&So Notenverlag

Wie ihr im Porträt über Stefan Huber lesen könnt ist ihm und der Kapelle So&So Umweltschutz und Nachhaltigkeit extrem wichtig. Plastik ist tabu, sie nutzen recyceltes Papier und als Verpackungen für ihre Merchandising-Produkte dienen Schallplattenkartons. Mit digitalisierten Noten hadern die Musiker noch. „Man braucht viel Papier für Noten und das ist umwelttechnisch ein Problem“, sagt Stefan. „Wenn man allerdings einen ganzen Notensatz per PDF verschickt, ist kein Kopierschutz drauf und eine Email ist schnell weitergeleitet. So einfach darf man es den Leuten nicht machen. Klar, eine Printversion können die Leute auch kopieren oder scannen. Das ist aber mehr Aufwand.“

Die Zukunft des So&So Notenverlags

Für die nahe Zukunft haben die Musiker von So&So weitere Pläne: Es soll ein Playalong von der ersten CD entstehen – wie beim BOB Album . Darüber hinaus möchten sie ein Unterrichtskonzept aufs Papier bringen. „Coole Stücke für Schüler“. Zu Weihnachten ist eine generationsübergreifende Weihnachtsgeschichte mit einem Autor geplant. Die Ideen gehen den Musikern nicht aus und sie wissen, dass sie mit Leidenschaft dranbleiben müssen. „Bis sich das rechnet, braucht man einen langen Atem“, sieht Stefan Huber das Unternehmen realistisch. „Blasmusik ist ein starres Konstrukt und es wird ein extrem langer Weg.“ Er zieht den Vergleich mit etablierten Notenverlagen. „Die wären nicht da, wo sie sind, wenn sie erst gestern angefangen hätten.“

Die Homepage der Kapelle So&So

Die Homepage des So&So Notenverlags

Einen Überblick über alle Bands, kleinere Ensembles und traditionellen Besetzungen findet ihr unter diesem Link.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.