German Hofmann: Musikalischer Schwerstarbeiter

Zum zehnten Todestag im Jahr 2017 habe ich für die Mucke den Text über German Hofmann (1942 – 2007), Leiter von „German Hofmann und die Original Ochsenfurter Blasmusik“ geschrieben. Nun veröffentlich ich ihn hier auf www.vontutenundblasen.de

German Hofmann und die Original Ochsenfurter Blasmusik

Zwischen 1968 und 2004 und besonders in den 1980er Jahren war German Hofmann deutschlandweit bekannt. „German Hofmann und die Original Ochsenfurter Blasmusik“ waren Dauergast auf dem Cannstatter Wasn, gingen jährlich auf deutschlandweite Tournee, waren ein beliebtes Begleitorchester für bekannte Schlagersänger und deren Fernsehaufnahmen und im Winter vollzog das Orchester eine  Metamorphose in ein Tanzorchester, um Silvester- und Galabälle zu untermalen. Der vielseitige Orchesterchef German Hofmann starb am 3. Juli 2007 in seiner Heimat Ochsenfurt. Er wurde 65 Jahre alt.

german hofmann
Autogrammkarte von Ebay

Volksfeste und Bierzelte

Volksfeste bestimmten German Hofmanns Leben. Das Bierzelt auf den Volksfesten mussten sein zweites Zuhause gewesen sein. Ganz vorne: Der Cannstatter Wasn. 16 Tage, elf Stunden täglich. „Das war ein Hammerjob“, erinnert sich Dieter Mangold, der 1983 bis 1986 Posaunist bei den Ochsenfurtern war. Auch nicht zu verachten, waren der Augsburger Plärrer, das Nürnberger Volksfest, der Würzburger Kiliani oder der Kassler Zissel. Überall waren „German Hofmann und die Original Ochsenfurter Blasmusik“ präsent und brachten die Bude zum Kochen. Damit waren sie Vorreiter.

Tourplan
Tourplan. Scan: Dieter Mangold

Karl Kraft spielte bei German Hofmann

„German Hofmann sorgte dafür, dass die Leute sofort auf die Bänke und auf die Tische gestiegen sind und Stimmung gemacht haben“, erzählt Karl Kraft, der von 1966 bis 1990 bei Ernst Mosch Tenorhorn, Bariton und Posaune und von 1976 bis 1980 bei German Hofmann Posaune spielte. „Das war damals noch nicht üblich“, erinnert sich der 82-Jährige (Stand 2017, Karl Kraft verstarb 2018). „Normalerweise, wenn man das gemacht hatte, kam sofort der Festwirt und sorgte dafür, dass das unterlassen wird. Aber German Hofmann hat es immer direkt darauf angelegt und dann erlaubten es die Festwirte auf einmal, denn sie merkten, dass damit der Umsatz gesteigert wird.“ Er macht eine kurze Pause. „Wir haben sehr, sehr oft das Prosit gespielt.“

Georg Ried spielte bei German Hofmann

Nicht nur das „Prosit“.  Der größte Hit, an den sich viele ehemalige Musiker erinnern, war „Fürstenfeld“. BR-Moderator Georg Ried, der auch bei Hofmann spielte, spricht von 180 mal in 16 Tagen. „Das war eine arbeitsreiche Zeit, aber ich habe dadurch viele Menschen kennengelernt und ein großes Netzwerk aufgebaut.“

Musik Non Stop

Neben den Volksfesten in den großen Städten bereiste das Orchester alle möglichen Volksfeste in kleinen Städten. Ein Terminplan vom Juli 1985 zeigt, dass die Musiker in diesem Monat fünf freie Tage hatten. Dieses Mindestmaß an Freizeit mussten sie auch bitternötig gehabt haben, wenn die Musiker von dem Arbeitspensum erzählen. „Man fuhr morgens mit dem Bus weg und spielte auf dem Auftritt zwei Stunden nonstop, dann hatte man eine halbe Stunde Pause und man spielte wieder mehrere Stunden nonstop“, erzählt Karl Kraft. Die Definition „nonstop“ heißt in diesem Kontext: Die Reihenfolge wurde vorher festgelegt und nach jedem Stück hatten die Musiker gerade so viel Zeit, die Noten umzublättern.

Schwarzer Speichel und wabbernder Fettdunst

Dieter Mangold machte in seiner Anfangszeit bei German Hofmann gleich die Erfahrung auf dem 16-tägigen Cannstatter Wasn. „Damals waren nur die Hauptgänge geteert. Die fest installierten Tische standen auf dem staubigen Boden, der von den drei bis 4000 Besuchern aufgewirbelt wurde. Der Fettdunst wabberte aus der Küche. Unsere Instrumente waren schwarz belegt und am Ende der Wasn war auch der Speichel schwarz.“

Fröhlichmachen ist ein hartes Geschäft

Eine Reportage von 1985 in der Augsburger Allgemeinen fasst die mühevolle Arbeit von „German Hofmann und die Original Ochsenfurter Blasmusik“ trefflich zusammen: „Wie ein durchtrainierter Barmixer schüttelt Kraftpaket Hofmann die Arme vor seinen 14 Vollblutmusikern, die aus Leibeskräften in ihre Instrumente blasen. Auch nach fünf Stunden musikalischem Einsatz ist ihnen die Puste noch nicht ausgegangen, geht doch der über die Bühne wirbelnde Chef mit gutem Beispiel für eiserne Arbeitsdisziplin voran. Ein strahlendes Gesicht, auf dem die Schweißperlen glänzen: Fröhlichmachen ist ein hartes Geschäft.“

Manchmal ging es deftig zu bei German Hofmann und die Ochsenfurter Blasmusik

Dafür gab es gutes Geld für die Musiker, da sind sie sich einig. Da ließ er sich nicht lumpen, auch wenn am Auszahlungstag die Stimmung manchmal nicht so fröhlich war. Fröhlichkeit und Stimmung zeigte er gegenüber dem Publikum nicht nur mit der Musik. Als Orchesterchef unterlag ihm auch die Aufgabe, die Zuhörer mit Worten zu unterhalten. Dabei muss es das ein oder andere mal recht deftig zugegangen sein.

Maurer und Musiker

German Hofmann wurde am 10. April 1942 in Frickenhausen am Main geboren und stammte aus einer Musikantenfamilie. Vater Joseph war viele Jahre Leiter eines fränkischen Blasorchesters und Bruder Ottmar Trompeter. Sechs Jahre war German Hofmann alt, als er im Blasorchester seines Vaters erstmals vor Publikum Trompete spielte. Zunächst machte er  nach der Schule eine Lehre als Maurer, später, ab 1959 ,studierte er Musik in Würzburg.

Original Ochsenfurter Blasmusik präsentierte sich 1968 zum ersten Mal

German Hofmann spielte sich als Trompeter zunächst durch eine Reihe Blaskapellen, außerdem hatte er eine Beat-Band, die „Red Stars“, mit denen er in den 1960er Jahren die unterfränkische Jugend zum tanzen und feiern brachte, bis es zur Gründung der eigenen Blaskapelle kam. „Die Original Ochsenfurter Blasmusik“ präsentierte sich zum ersten Mal anlässlich des Ochsenfurter Pfingstfestes im Jahr 1968. So begann es mit den Volksfesten, die ihn nicht mehr losließen.

German Hofmann altes Bild

Arrangements von angesagten Hits

Sein Repertoire reichte dort von böhmisch-mährischer Musik, aber hauptsächlich spielte er Arrangements von angesagten Hits und aktuellen Bierzeltschlagern. Dieter Mangold erinnert sich: „Mein Tenorhorn habe ich eigentlich nur für ein Mosch-Medley gebraucht. Ansonsten war in seinen Arrangements kein Tenorhorn vorgesehen.“ Und Georg Ried erzählt: „Das Orchester hatte einen eigenständigen Sound mit einem Big Band Touch. Das kam durch die extra für German Hofmann arrangierten Stücke von Willy Ullrich. Die sind sehr gut angekommen.“ Außerdem habe German Hofmann eine hervorragende Anlagentechnik gehabt.

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200 bis 250 Auftritte im Jahr

200 bis 250 Auftritte hatte das Orchester im Jahr. In den Wintermonaten verwandelte sich „Die Original Ochsenfurter Blasmusik“ in das „Big Sound Orchester“. „German Hofmann und sein Big Sound Orchester“ begleiteten Faschingsveranstaltungen wie die „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim oder spielten auf Silvester- und Galabällen. Nicht selten zusammen mit Max Greger oder James Last. Sogar Tanzweltmeisterschaften untermalte diese Besetzung. Wie die Musiker erzählen, war die Besetzung sowieso schon mehr Big Band-artig mit vielen Posaunen ausgelegt und daher war die Wandlung kein Problem.

Familienunternehmen

1982 spielte das Orchester in Ochsenfurt beim Gastwirteball. Da die Sängerin überraschend krank war, sprang German Hofmanns Tochter Karina ein und bildete ab diesem Zeitpunkt mit ihrem Vater das Gesangs-Duo der Gruppe. Auch German Hofmanns Ehefrau Irene, mit der er seit 1963 verheiratet war, war ständige Begleiterin der Tourneen und kümmerte sich um Garderobe, Brotzeit und Abrechnung.  Sohn Dieter übernahm die Tontechnik.

German Hofmann: Im Krug zum grünen Kranze

Ein Tag nach Ende des Cannstater Wasn war für die Musiker Pause. Am folgenden Tag ging es weiter mit einer Tournee als Begleitorchester und die Musiker waren wieder mehrere Wochen durchgehend unterwegs. „Lustige Musikanten“, „Krug zum grünen Kranze“ oder „Lieder, die von Herzen kommen“ waren Shows, die auch ein Millionenpublikum im Fernseher hatten, und bei denen die Ochsenfurter die dort auftretenden Schlagersänger begleiteten.

German Hofmann: DAS Showorchester

Auch als der „Musikantenstadl“  erstmals nicht nur im ORF, sondern in der gesamten ARD deutschlandweit ausgestrahlt wurde, war das German Hofmann Orchester dabei. „German Hofmann war das Showorchester“, sagt Georg Ried und legt die Betonung auf das Wort „das“. „Er hat sie alle begleitet. Die Hellwigs, Heino oder Marianne und Michael.“ Irgendwann, Anfang des neuen Jahrtausends, wurden die Auftritte für German Hofmann und seine Musiker weniger. Zum einen war es eine Geldfrage, für Live-Musik wurde immer weniger bezahlt, zum anderen engagierten die Zeltbetreiber immer kleinere Gruppen.

German Hofmann: In der Freizeit kein Bierzelt

Anfang der 2000er übernahm er bis 2006 die Jugendausbildung und die Leitung des Musikvereins „Die Hopferstädter“.  Außerdem leitete er seit 2004 bis April 2007 die Musikkapelle Neuses. 2004 erkrankte German Hofmann und zog sich aus dem Profimusikgeschäft zurück. Er starb am 3. Juli 2004. In der Augsburger Allgemeinen wurde German Hofmann 1985 gefragt, was er in seiner Freizeit mache. Die Antwort: „Bestimmt nicht in ein Bierzelt gehen.“

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