Lublaska: Böhmisch in der Schweiz

Lublaska aus der Schweiz feierte im Jahr 2019 20. Geburtstag. Zu diesem Anlass schrieb ich ein Porträt über dieses Orchester für die Mucke, das ich hier bereit stelle.

Lublaska: Eine böhmische Kapelle aus der Schweiz

Sinfonische Blasorchester und Brass Bands dominieren in der Schweiz die Bläserszene. Blaskapellen, die die traditionelle Blasmusik mit Polkas, Walzer und Märschen pflegen, sind rar. Und so ragt „Lublaska“, die Benno Peter vor 20 Jahren zunächst als „Echo vom Bierzelt“ gründete, in der Schweiz als große Bereicherung heraus.  

Lublaska
Lublaska im Jahr 2018. Foto: Lublaska

Sali zäme! So begrüßt man sich im Kanton Luzern. Mit „Salü zäme“, was laut Lublaska-Präsident Norbert Kappeler eher im städtischen Bereich von Luzern verwendet wird, begrüßte Benno Peter auf seinem Einladungsschreiben vom 24. September 1999 die Musiker für die erste Probe am 3. Oktober 1999 und teilte ihnen mit, dass der Projektname „Echo vom Bierzelt“ lauten werde.

Lublaska erste Probe
Das Einladungsschreiben zur ersten Probe. Scan: Benno Peter

Lublaska: Zunächst „Echo vom Bierzelt“

Hm-tä-hm-tä-hm-tä spielende Musiker fand Benno Peter einige Monate später als der Name „Echo vom Bierzelt“ schon Geschichte war. Nachdem in Meggen nahe Luzern das erste Konzert erfolgreich über die Bühne gegangen war und welches man zu Neunt bestritten hatte („Drei kleine Blech, zwei Tenöre, eine Tuba, zwei Klarinetten und ein Schlagzeug“), empfanden die Musiker „Echo vom Bierzelt“ nicht mehr so passend. „Da kommt man nicht so drauf, was das ist“, erzählt Benno Peter im Interview. „Wir hatten die Idee zu Lublaska. Das klingt ein bisschen tschechisch und trotzdem ist das eine Abkürzung für etwas, was wir sind. Eine Blaskapelle aus Luzern.“ Lublaska – Luzerner Blaskapelle.

Lublaska Echo vom Bierzelt
Konzertprogramm des ersten Konzerts. Noch unter dem Namen „Echo vom Bierzelt“. Scan: Benno Peter
Lublaska erstes konzert
Nach dem ersten Konzert. Scan: Archiv Benno Peter

Gründer von Lublaska: Benno Peter

Benno Peter ist der Gründer der Blaskapelle aus der Schweiz. Der 50-jährige (Stand 2019) Tenorhornist komponiert seit Jahrzehnten. Das Schweizer Musikmagazin „Polka – das Blaskapellen-Bulletin“ berichtete 2004 über Benno Peter und sprach dort von „über 100 Kompositionen“. Für umliegende Orchester waren seine Werke zu schwer zu spielen. Zu hoch, zu technisch – wie Benno Peter zugibt. Deshalb wurden diese Stücke zunächst nicht gespielt. So kam Benno Peter die Idee zu einem eigenen Orchester. „Ursprünglich war das nur als Projekt gedacht, um einmal diese Stücke zu spielen. Und nach diesem einen Konzert, das ziemlich großen Anklang gefunden hatte, dachten wir, dann machen wir jetzt mal weiter. Und jetzt sind es schon 20 Jahre!“

Benno Peter
Benno Peter von Lublaska. Foto: Lublaska

Oft im Ausland

In den 20 Jahren ist viel passiert. Natürlich gab es viele Auftritte in der Schweiz. Nachdem Lublaska ihre Konzerte zunächst selbst organisiert hatte, wurde die Truppe nach und nach immer öfter engagiert. Aber ihre Höhepunkte erlebten sie woanders: „Man kann sagen, alles was wir im Ausland erlebt haben, das wird immer in unserer Erinnerung bleiben. Das hat sich ein bisschen abgehoben von dem, was wir in der Schweiz erleben“, erzählt Benno Peter.

Zu Gast bei den Hergolshäusern

„Die Konzerte und die Meisterschaften, an denen wir teilgenommen haben, die waren immer sehr schön. Einmal waren wir bei den Hergolshäusern zu Gast. Das war sehr beeindruckend, als Hunderte von Leuten an einem Sonntagmorgen in die Halle geströmt sind, um den ganzen Tag Blasmusik zu hören. Das gibt es bei uns in der Schweiz in diesem Rahmen nicht.“ Ähnlich beeindruckend sei der Besuch bei den Don Bosco Musikanten in Bamberg gewesen.

Stellenwert der böhmischen Blasmusik in der Schweiz

Wenn Lublaska im Umkreis von Luzern spielt, dann ist das Publikum von der Altersstruktur gemischt, da viele eingefleischte Lublaska-Fans dabei sind. „Aber wenn wir irgendwo in der Schweiz spielen, wo unsere Fans nicht dabei sind, dann würde ich schon sagen, dass die Zuschauer eher älter sind.“ Es sei schon zu beobachten, dass die böhmische Blasmusik in der Schweiz einen eher „Alte-Herren-Stellenwert“ habe. „Wir sind mittlerweile aber auch nicht mehr die Jüngsten“, fügt Benno Peter hinzu.  

Lublaska 2002
Lublaska im Jahr 2002. Foto: Archiv Benno Peter

Trotzdem hätte Lublaska keine Nachwuchsprobleme, wenn sie einen neuen Musiker suche. „Wir haben attraktive Bedingungen, attraktive Auftritte und ein großes Netzwerk, da würden wir schnell jemanden finden.“ Und wenn jemand keine Erfahrungen mit böhmischer Blasmusik hat? Was in der Schweiz offensichtlich schon der Fall sein kann.  „Wir haben Leute, bei denen war das vorher auch noch nie Thema. Aber unsere Bedingungen haben ihnen zugesagt und die haben dann durch uns ihre Liebe zur böhmischen Blasmusik entdeckt.“

Sowohl in der Schweiz als auch im Ausland ist „Lublaska“ immer wieder bei Wettbewerben erfolgreich. Beim Schweizer Blaskapellentreffen wurden sie in den Jahren 2006, 2010, 2012 und 2014 Sieger in der Oberstufe. 2018 errangen sie diesen Triumph ebenfalls. „Ein idealer Auftakt ins Jubiläumsjahr“ schreibt das Orchester in sein „Gönnerheft“, mit dem sie finanzielle Unterstützer anspricht.

Lublaska in Hodonin

2008 reiste „Lublaska“ ins tschechische Hodonin zum Wettbewerb „Goldenes Flügelhorn“ und errang dort einen dritten Rang und wurde „Beste nicht-tschechische Blaskapelle“. „Das war eine supertolle Sache – auch von der Gastfreundschaft und den Menschen, die wir dort getroffen haben“, erinnert sich Benno Peter. Er schmunzelt: „Bei der Preisverleihung haben wir x Glasvasen und Schalen bekommen und die Gastgeber erzählten uns auf tschechisch, für was wir die alles bekommen, aber wir haben nichts verstanden.“

Lublaska in Sobeslav

Ein Höhepunkt in der Geschichte von Lublaska war die Reise zum „Kubesova-Festival“ nach Sobeslav im Sommer 2018 und insgesamt sechsmal nahmen Benno Peter und seine Mitmusiker an der „Europameisterschaft für böhmische und mährische Blasmusik“ teil. 2004 reichte es in Bojnice (Slowakei) nur zum vierten Platz in der Höchstufe. Aber viermal erreichten sie einen zweiten Rang in der Höchststufe (2003, 2006, 2009 und 2012) und 2015 wurden sie in Kerkrade Europameister in selbiger Stufe.

Lublaska 2003
Lublaska im Jahr 2003. Foto: Archiv Benno Peter

Wenn Lublaska keine außergewöhnlichen Auslandsreisen im Terminkalender stehen hat, haben die 18 Musiker, die alle zwischen 25 und 54 Jahren sind und eine Frauenquote von 5,5 Prozent aufweisen und acht Profimusiker in ihren Reihen hat, etwa fünf bis zehn Auftritte im Jahr. „Alle Musiker sind noch über Lublaska hinaus sehr musikalisch engagiert und dann ist das manchmal recht schwierig, Termine zu finden.“ Daher sehen sich die Musiker außermusikalische sehr selten. „Wir sind alle stark beschäftigt, haben Beruf und Familie, daher gibt es das vielleicht ein mal im Jahr, wenn wir ein Sommerfest haben oder zur Generalversammlung unseres Vereins.“

Leiter von Lublaska: Michael Müller

Alle Musiker kommen aus Luzern und Umgebung, die mit der weitesten Anreise fahren eine Stunde. Einziger Ausländer in Reihen von Lublaska: Michael Müller. Der Tenorhornist von Alpenblech und „Ernst Hutter und die Egerländer Musikanten – Das Original“ ist seit zwei Jahren (Stand: 2019) musikalischer Leiter des Orchesters. Während seines Studiums in Luzern spielte Michael Müller schon als Musiker mit – in der Zeit als Benno Peter selbst und danach Urs Bucher das Orchester dirigierten. Vor dem zehnten Jubiläum war Benno Peter immer musikalischer Leiter, spielte aber stets selbst mit, so dass die Auftritte ohne Dirigenten gespielt wurden.

Michael Müller
Leiter Michael Müller im neuen roten Hemd. Foto: Lublaska

„Wenn man selbst mitspielt, ist es oft schwierig, alles zu hören“, sagt Benno Peter. „Deshalb war bei Proben und CD-Aufnahmen meistens Hugo Felber als Coach dabei, der uns half, unsere Vorstellungen umzusetzen. Mit Michael Müller haben wir nun einen wunderbaren Dirigenten, der uns immer die neuesten Tricks und Trends mitteilt.“

Lublaska Konzertprogramm
Ein Konzertprogramm aus dem Jahr 2000. Scan: Archiv Benno Peter

Mit Michael Müller proben Lublaska also seit zwei Jahren (Stand: 2019) ihr Repertoire ein. Das wechselt von Saison zu Saison.  Blickt man in die Programme von den Lublaska-Anfangszeiten, entdeckt man eben viele Stücke und Arrangements von Benno Peter, aber auch andere Mitglieder bringen regelmässig ihre Arrangements in die Notenmappe. Auffällig: Jeder Musiker ist auch Solist. Für jedes Register sind immer Solostücke dabei – wie zum Beispiel „Erinnerung an Zirkus Renz“ arrangiert von Benno Peter für drei Klarinetten oder „Zwei Glückspilze“ für zwei Tenorhörner. 

Sechs CDs in 20 Jahren

Ihr Repertoire hat das Orchester bislang auf fünf Alben archiviert. Bei der ersten CD „Links herum“, die 2001 erschien, oblag die Aufnahmeleitung bei dem Schweizer Komponisten Very Rickenbacher. Die sechste CD wurde vor Kurzem aufgenommen und der Titel ist noch eine Überraschung. Der wird beim Frühlingskonzert am 4. Mai in Reiden vorgestellt. So viel sei verraten: Auf der CD erklingt auch Musik mit Dani Häusler – ein bekannter Schweizer Klarinettist, der auch beim SRF als Moderator tätig ist. (Anmerkung im Januar 2021: Die CD heißt „20 Jahre Lublaska“)

Fototermin zur CD Aufnahme
Fototermin zur CD-Aufnahme 2001. Foto: Archiv Benno Peter

Etwas Neues zum 20. Geburtstag

Eine weitere Überraschung hat Lublaska für ihre Jubiläumsgala am 31. August in Luzern für das Publikum bereit: Eine neue Uniform. Wie die aussieht, ist noch geheim. Die Gruppe fing mit roten Hemden an und wechselte dann zu schwarz mit orangen Akzenten. „Das Schwarz ist mittlerweile ausgewaschen“, schmunzelt Peter. Aber zum 20. Geburtstag darf man sich ruhig etwas Neues gönnen. (Anmerkung im Januar 2021: Jetzt sind die Hemden rot).

Hoffnung für die nächsten Jahre

Die Zukunft für Lublaska sieht Benno Peter entspannt. Da setzt er sich nicht unter Druck. „Wir hoffen, dass es die nächsten 20 Jahre weitergeht, dass wir weiterhin Erfolg haben und dass wir weiterhin schöne Musik machen können. Wir machen keine Pläne für die nächsten fünf oder zehn Jahre. Wir nehmen das Jahr für Jahr. aber ich hoffe, dass das noch viele Jahre so weitergeht.“

In diesem Sinne: Tschau zäme! Auf die kommenden Jahrzehnte.

Ihr wollt noch mehr über böhmische und mährische Blaskapellen lesen, dann klickt hier: www.vontutenundblasen.de/category/traditionelle-ensembles/

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